Leseprobe:

Wer dreimal lügt

... Anna lebte seit Jahren allein Sie kannte die Vorzeichen. Spürte, dass es eine Bedeutung haben musste, wenn sich ein Mann nur noch so selten meldete wie Jens in letzter Zeit. Es musste etwas dahinter stecken, wenn er zuließ, dass sein bester Freund ihn abschirmte wie Diethelm Lauer dies tat. Seit Wochen. Und an diesem Tag so auffällig wie nie zuvor. Hatte sie es nicht selbst stets so gehalten, wenn es ihr langweilig geworden war, mit immer demselben Mann zu schlafen, dessen Körper Routine geworden, ja, dessen Geruch sie längst überdrüssig war? Sicher, es tat ihr regelmäßig Leid, wenn sie sich eingestehen musste, dass es wieder nicht der Mann fürs Leben war. Aber war es erst so weit, war sie unerbittlich. Sie sagte einige freundliche Worte, verlangte den Schlüssel zurück und wusste, dass es ihr unmöglich gewesen wäre, sich nur eine weitere Nacht mit ihm abzuplagen. War es jedoch der Mann, der sich nicht mehr sehen ließ - der Ausflüchte hatte oder die Liebe zu einer Ehefrau gestand, die es letztlich nicht verdient habe, verlassen zu werden - dann litt sie gewöhnlich wochenlang an der sicheren Gewissheit, die große Liebe ihres Lebens verloren zu haben. Anna hatte schon oft gelitten. Sie wollte nicht mehr verlassen werden.
Und doch wurde das Gefühl immer stärker, dass sie Jens verlieren würde. Ohne zu merken, was sie tat, zog sie ein langes, dunkelblaues Kleid aus dem Schrank,  hielt es am ausgestreckten Arm vor sich und sagte sich mit einer seltenen Anwandlung von Zynismus, das alles sei ja auch kein Wunder, weil schließlich jeder wisse, dass diese Sorte Affären doch niemals gut ging.

Eine Affäre. Das Wort hallte in ihr wider. Sie war nur eine kleine, dumme Affäre. Der Schmerz traf sie unvorbereitet und heftig. Sie konnte ihn nicht ertragen, suchte einen Ausweg, fand ihn: Hatte er ihr nicht immer wieder beteuert, wie gut sie ihm tue und wie viel Kraft ihre kurzen, gemeinsamen Stunden ihm gäben? Hatte er sich nicht bei seinem Anruf vergangene Woche erst beklagt, dass Lauer sie nicht mehr mitbringe und er sie so selten sehe? Also liebte er sie doch. Eben.

Anna spitzte die Lippen, nahm auf einmal das blaue Kleid wahr, das sie noch immer in der Hand hielt, schüttelte den Kopf, hänge es zurück und kramte ein bodenlanges rotes Gewand heraus, das sie erst einmal getragen hatte, beim Bundespresseball im vergangenen November. Doch es war zu förmlich. Und der Ausschnitt war unerhört tief. Sie würde stattdessen etwas Gedecktes, Seriöses anziehen. Wieder durchsuchte sie ihren Schrank, stieß auf ein dunkelgraues Kostüm mit engem Rock, streifte es über und war zufrieden.

Bedächtig drehte sich Anna Martin vor dem Spiegel, betrachtete sich von allen Seiten, und was sie sah, gab ihr die Kraft für eine Wahrheit, von der sie plötzlich wusste, dass sie seit Wochen im Verborgenen lauerte, vor der sie mit größtem Geschick immer wieder geflohen war. Es war vorbei. Endgültig. Aus und vorbei. Er ließ sie fallen.

Sie starrte auf ihr bleiches Gesicht und schüttelte sich. Wie kam sie nur darauf? Niemand hatte etwas gesagt! Sie waren verabredet! Er wollte sie sehen! Wieso sollte es aus sein? Sie musste verrückt geworden sein! Gleich würde sie ein Taxi bestellen, um hinüberzufahren, ihn zu treffen. Sie würde schön sein. Sie war schön. Und sie würde glücklich sein.

Heute Abend.

Noch ein Mal.

Sie konnten ja in aller Ruhe darüber sprechen. Sie würde verständnisvoll sein. Ihm beruhigend über die Schulter streichen. Würde ihn verstehen, das Opfer bringen, ihn und sich, ihre Beziehung auf später vertrösten, wenn er einmal nicht mehr Kanzler wäre ..."Jetzt-kaufen-bei-Amazon-1

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